Besichtigung der Rotenburger Werke
Aktualisiert: vor 2 Tagen
Das Mutterhaus:

Gräber der Diakonissen:

Gräber der Bewohner der Rotenburger Werke

Kirche "Zum guten Hirten"



Der Landfrauenverein Sittensen besuchte die Rotenburger Werke und erhielt bei einer
Führung durch Henrik Pröhl und Sascha Jansen, der seit 2002 in den Rotenburger
Werken lebt, interessante Einblicke in das Kerngelände der Inneren Mission.
Die Geschichte der Rotenburger Werke begann 1877. Anlass war ein schwerer Unfall
eines epilepsiekranken Mädchens. Daraufhin entstand der Wunsch, Menschen mit
Epilepsie zu helfen. 1878 wurde der „Verein zur Pflege Epileptischer“ gegründet.
1880 erwarb man das erste Gebäude in Rotenburg, das von Adolf Kottmeier, den
Gründer und ersten Leiter, eingeweiht wurde.
Die Einrichtung wuchs schnell. 1893 lebten bereits rund 180 Menschen dort.
1905 übernahmen Diakonissen aus Hamburg die Pflege von etwa 300 Bewohnern.
Eine besonders schwere Zeit waren die Jahre des Nationalsozialismus.
Menschen mit Behinderungen wurden systematisch verfolgt und ermordet.
Aus den damaligen Rotenburger Anstalten wurden 562 Männer und Frauen Opfer
dieser Tötungen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Einrichtung weiter. Besonders in
den 1960er- und 1970er-Jahren veränderte sich der Umgang mit Menschen mit
Behinderung. Aus der früheren Anstalt entwickelte sich zunehmend ein moderner
Lebens- und Arbeitsort. Das „Grüne Tor“ und Reste der früheren Mauer erinnern
heute an die Zeit der früheren Abgrenzung des Geländes und gleichzeitig an den
Wandel zu Teilhabe und Inklusion.
Heute sind die Rotenburger Werke eine diakonische Einrichtung für Menschen mit
Behinderungen. Sie bieten vielfältigen Wohn-, Arbeits-, Bildungs-, Freizeit- und
Unterstützungsangebote sowie Betreuung, Pflege, Diagnostik, Beratung und Therapie
von körperlicher, geistiger und seelischer Behinderung. Die Menschen leben sowohl
auf dem Kerngelände als auch in verschiedenen Wohnangeboten in Rotenburg und
der Umgebung, wo sie möglichst selbstbestimmt wohnen und leben können.
Zu den Arbeitsbereichen gehören unter anderem Wäscherei, Küche, Tischlerei,
Gärtnerei und Floristik, Fahrdienst, Gastronomie sowie verschiedene handwerkliche
und instustrielle Arbeitsangebote.
Auch die 1912 eingeweihte Kirche „Zum Guten Hirten“ mit angrenzenden Friedhof
gehört zum historischen Gelände. Was früher vor allen den Diakonissen und
Bewohnern diente, steht heute allen Menschen offen.
Für uns war die Führung eine interessante und zugleich nachdenliche Begegnung mit
einer Einrichtung, die auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblickt.
Im Anschluss nach einer tollen Führung ließen wir den Nachmittag bei Kaffee und
Kuchen in der Cafeteria gemütlich ausklingen.



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